Arlie Russell Hochschild, Geraubter Stolz

Stolz und Scham

Was passiert, fragt Arlie Russell Hochschild, wenn Menschen in einer schwer getroffenen Region nicht nur Sicherheiten, sondern auch ihren Stolz verlieren und von einem politischen Appell adressiert werden, der ihnen das Gefühl vermittelt, bestohlen zu werden?
In diesem Buch konzentriert sie sich auf Männer aus der Arbeiterschaft in Pikeville, Kentucky. Ihre Lebensrealitäten geben Auskunft über eine sich verändernde politische Landschaft.
Hochschilds brillante Untersuchung führt uns tief in eine zerissene Gemeinschaft. Doch zugleich zeigt sie auch einen Weg nach vorne auf.

Cover Arlie Russell Hochschild, Geraubter Stolz

Arlie Russell Hochschild

Geraubter Stolz

Verlust, Scham und der Aufstieg der Rechten

Aus dem Englischen von Ulrike Bischoff
Gebunden, 360 Seiten, 30 Euro
ISBN 978-3-86854-875-4
Auch als E-Book erhältlich
Erschienen im September 2025

Porträt Arlie Russell Hochschild

Arlie Russell Hochschild

ist emeritierte Professorin an der University of California, Berkeley. Sie gilt als eine der bedeutendsten Soziologinnen der Gegenwart, ihr vielgelobtes Buch Fremd in ihrem Land. Eine Geschichte der amerikanischen Rechten stand auf der Shortlist für den National Book Award 2016.
Das Hamburger Institut für Sozialforschung zeichnet sie mit dem Siegfried-Landshut-Preis 2024 aus.

»Mein Buch beleuchtet einen perfect storm: Jobs in der Kohleindustrie sind verschwunden, die Opioidkrise hat Einzug erhalten. Im Jahr 2017 marschierten auch noch weiße Nationalisten durch die Stadt. Diese Geschichte von Pikeville ist die dramatische Miniaturversion einer größeren Erzählung.«

Arlie Russell Hochschild im Interview mit ZEIT online

Pressestimmen

»Menschen zu sehen, […], sie als Personen erkennbar zu machen. Eine kluge, empathische Sozialforschung besitzt diese Kraft zum Porträt – Hochschild zeigt das in Geraubter Stolz auf eine sehr eindrückliche Weise.« Soziopolis

»Hochschilds gründlich recherchierte und sehr zugängliche Studie liest sich über weite Strecken wie eine Gegendarstellung [zu J. D. Vance, ›Hillbilly-Elegie‹], taz

»Was Arlie Russell Hochschilds Buch so lesenswert macht, ist die emotionale Nähe, die sie zu den Menschen herstellt, die allzu oft als eine homogene Masse verführter Wähler dargestellt wird.«
Deutschlandfunk Andruck

»Das ist das bisher beste Buch über die moralische und politische Psychologie der neuen Rechten, eine Meisterklasse in der Kunst des Zuhörens über unsere kulturellen und politischen Gräben hinweg.«
Michael J. Sandel

»Sympathisch, faszinierend, manchmal lustig und oft sehr bewegend.« The New Republic

»Eine gründlich recherchierte Darstellung des Rechtsrucks.«
The New Yorker

»Ein aufschlussreicher, beunruhigender Blick auf politische Ressentiments.« Kirkus Reviews

In den Medien

»Wir haben die Augen vor der Wahrheit verschlossen«

Interview mit Arlie Russell Hochschild auf ZEIT ONLINE

Termine

Interviewpartner

Arlie Russell Hochschild hat während ihrer Recherche in Pike County unzählige Interviews geführt. Dies sind einige der Gesprächspartner, die Einblick in ihre Gedanken, Emotionen und Lebenswege gegeben haben. 

Andrew Scott

Bürgermeister von Coal Run, einer Nachbarstadt von Pikeville

»Ich finde, wir sind hier eine großartige Kleinstadt. Wir lieben Amerika, aber das County hat es schwer getroffen, und ich tue, was ich kann, um zu helfen, und die Republikaner zu wählen hilft uns hier. [...] 
Ich persönlich war stolz darauf, in der Energiehauptstadt der Welt zu leben und stolz auf meine Nachbarn, die Bergleute waren. [...]
Urbane Liberale denken gar nicht darüber nach, aber sie stehen für Stolz. Für sie stehen wir, die Bergleute mit den schmutzigen Gesichtern und den Lungenkrankheiten, die mal arm, mal nicht arm sind, für etwas Beschämendes. Und das gefällt uns nicht.«

Porträt Robert Musick

Robert Musick

Kaplan der University of Pikeville

»Ich wurde in einem Trailerpark in Barn Hill, Ohio, geboren, arm, kämpfend, viel Drama. [...] Aber ich hatte Glück im Leben. Meine Eltern und die Mutter meiner Mom verschafften mir eine sichere, liebevolle Kindheit, und in der Schule machte ich mich sehr gut. [...] Danach ging ich aufs College, besuchte das Seminar und wurde protestantischer Geistlicher. Ich wurde selbstsicher und entspannt genug, um keine Angst davor zu haben, dass man auf mich herabschaut, und bin schließlich dahin gekommen, dass ich mich um Leute kümmere, die verächtlich angesehen werden. Man könnte sagen, das ist etwas, was ich tun möchte, meine Mission.«

Porträt Tommy Ratcliff

Tommy Ratcliff

Betreuer im Southgate Rehabilitation Program, früher selbst drogenabhängig

»In den 1980er Jahren, als ich auf die Highschool ging, verlor Dad seine Stelle als Wachmann in einem Bergwerk und bekam einen Job als Aufseher in einem Sägewerk. Als es schloss, arbeitete Dad beim Straßendienst meines Onkels und schnitt mit einem Dozer zum Mindestlohn das Gras am Straßenrand. [...] Als mein Vater vom Dozer fiel und sich den Rücken verletzte, stellte sein Arzt fest, dass er Krebs hatte. [...] Wir beantragten Lebensmittelmarken, was meinen Dad furchtbar belastete. Ich fragte mich: Gehörte unsere Familie jetzt zu dieser Schicht? Wir schämten uns. [...] Wir alle haben unterschiedliche Tiefpunkte. Ich erlebte meinen Tiefpunkt als meine Ehe zerbrach.«

Porträt James Browning

James Browning

Erfolgreicher Absolvent der Drogen-Therapie in Southgate und dort Suchtberater

»Um mich vor meiner Scham zu verstecken, griff ich zu Drogen. Dann schämte ich mich, weil ich Drogen nahm. Ich steckte also in einem Schamzyklus. Ich nahm Drogen, um die Scham zu unterdrücken, und schämte mich, weil ich Drogen nahm. Ich enttäuschte meine Mutter. Ich zerstörte meine Ehe. Ich schadete meinen Kindern. Aber mit Tom Ratcliffs Hilfe überwand ich zum ersten Mal in meinem Leben meine Angst vor Scham.«

Porträt Roger Ford

Roger Ford

Unternehmer

»Andere Regionen hatten lange vor uns ein Stromnetz, sanitäre Anlagen, Autobahnen, Internetverbindungen und riesige Industrieparks. Wir sind die letzten in der Schlange, irgendetwas zu bekommen. Wir sind das rothaarige Stiefkind der Nation. [...] Wenn Trump bei der Präsidentschaftswahl kandidiert, werde ich ihn wählen.«

© Fotos: Shea Maynard