Gespräche über Literatur, Theorie und Gesellschaft

Die  Mittelweg 36- Redakteur:innen Hannah Schmidt-Ott und Jens Bisky sprechen einmal im Monat mit der  Literaturkritikerin Marie Schmidt oder dem Literaturwissenschaftler Carlos Spoerhase sowie Wissenschaftler:innen aus dem Hamburger Institut für Sozialforschung über irritierende, bemerkenswerte und abseitige Themen aus Literatur, Theorie und Gesellschaft.

Egal ob Romane, wissenschaftliche Studien, Gegenwartsbeobachtungen oder Sozialfiguren diskutiert werden: stets geht es um Menschen, wie sie sich aufeinander beziehen und was sie dabei freiwillig und unfreiwillig produzieren. In der Überzeugung, dass die Welt nicht unbeobachtbar ist, werden konzentriert-schweifende Gespräche ohne Belehrungsabsicht aber voller Interesse an der Wirklichkeit geführt.

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Episode #9: Weitermachen

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Wie sieht der Alltag der Geisteswissenschaften aus? Die Literaturwissenschaftler Carlos Spoerhase und Steffen Martus haben ein Buch zur »Geistesarbeit« geschrieben, eine »Praxeologie der Geisteswissenschaften«. Darin untersuchen sie das voraussetzungsreiche, vielschichtige und empfindliche Gefüge von Praktiken, das kennen und beachten sollte, wer die Geisteswissenschaften reformieren will. Es geht um Lesen, Schreiben und Exzerpieren, um Seminare, Vorlesungen, Sonderdrucke und den Konferenzschlaf. Im Zentrum stehen dabei Friedrich Sengle und Peter Szondi.

Steffen Martus lehrt Literaturwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin.
Carlos Spoerhase ist Literaturwissenschaftler in München.

Episode #8: Bewerben

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Wer sich um eine Arbeitsstelle bemüht, ist zumeist darauf angewiesen, die potenzielle Arbeitgeberin im Rahmen einer Bewerbung von seinen Qualitäten zu überzeugen. Wie ein solches Stellengesuch auszusehen hat, welchen Ton man wählt, welche Unterlagen beilegt, ist in vielen Branchen klar geregelt – was allerdings nicht bedeutet, dass nicht immer auch das Gegenteil richtig sein kann. Wir sprechen über Timo Luks kulturhistorische Studie »In eigener Sache«, in der er den Veränderungen nachspürt, die Form und Inhalt von Bewerbungen im Laufe der vergangenen 250 Jahre durchlaufen haben. Außerdem geht es um Sprachspiele, Strukturzwänge und eigene Erfahrungen auf dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt.

Marie Schmidt ist Literaturkritikerin bei der Süddeutschen Zeitung.

Episode #7: Preisen

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Bald ist es wieder so weit: Die schwedische Akademie verkündet, wer in diesem Jahr den Literaturnobelpreis erhält. Die Haltung zu diesem und zu anderen Literaturpreisen ist ambivalent: Die Bekanntgabe der Preisträger:innen wird mit Spannung erwartet und von der Öffentlichkeit mit großem Interesse verfolgt, die getroffene Wahl aber nicht selten skandalisiert. Über Inszenierung und Logik der Preisvergabe, die Folgen für das literarische Leben und den Betrieb sowie die Unterschiede zu Rankings unterhält sich Jens Bisky mit dem Literaturwissenschaftler Carlos Spoerhase und dem Soziologen Tobias Werron. Sie fragen: Wie würde ein Ranking der wichtigsten Literaturpreise aussehen?

Tobias Werron ist Professor für Soziologische Theorie und Allgemeine Soziologie an der Universität Bielefeld.
Carlos Spoerhase ist Professor für Literaturwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Episode #6: Lesen

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In der Sommerfolge sprechen die Literaturkritikerin Marie Schmidt und die Wissenschaftsredakteurin Hannah Schmidt-Ott über das Lesen als Praxis und Geschäft. Es geht um die Entwicklungen des Feuilletons unter dem Primat der Klickzahlen, die Untiefen des Rezensionswesens und die Folgen der Déformation professionnelle. Außerdem gibt’s Lesetipps für den Sommer.

Marie Schmidt ist Literaturkritikerin bei der Süddeutschen Zeitung.

Episode #5: Generalisieren

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Was haben Chicago und Fruchtfliegen gemeinsam? Sie nehmen in der Soziologie beziehungsweise der Biologie jeweils die Rolle von »Model Cases« ein. Es handelt sich um besonders gut beforschte Einzelfälle, deren Eigenschaften generalisiert werden und die unsere allgemeinen Vorstellungen – etwa von der amerikanischen Stadt – unverhältnismäßig stark prägen. Anhand des gleichnamigen Buchs von Monika Krause sprechen wir über das Generalisieren in den Sozial- und Literaturwissenschaften und fragen nach der Bedeutung von Gelegenheitsstrukturen in Forschungsprozessen, den Folgen der Kanonisierung von Denker:innen und der Rolle, die Geschichtsphilosophie bei der Konzentration auf »Model Cases« spielt.

Carlos Spoerhase ist Professor für Literaturwissenschaft an der Universität Bielefeld.

Episode #4: Nachholen

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Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine herrscht dort Krieg und wir stellen fest, dass wir wenig wissen über die Geschichte und Gegenwart des Landes. Angesichts dieses Nachholbedarfs entscheiden wir uns für das Naheliegende: Gemeinsam mit der Literaturkritikerin Marie Schmidt wenden wir uns drei Büchern zu, die ganz unterschiedliche Schlaglichter auf die Ukraine und ihre Bewohner:innen werfen, aber gemeinsam haben, dass sie viele Einzelheiten aufrufen, die sich zum Panorama verdichten. Wir sprechen über »Unsere Anderen« von Olesya Yaremchuck, »Offene Wunden Osteuropas« von Franziska Davies und Katja Makhotina sowie »In Isolation« von Stanislaw Assejew.

Marie Schmidt ist Literaturkritikerin bei der Süddeutschen Zeitung.

Episode #3: Publizieren

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»Es wird für den Druck geforscht«, sagt Luhmann, aber was bedeutet dieser Umstand in Zeiten von Peer Review und Online-Repositorien? Wir sprechen mit Carlos Spoerhase über die wechselseitige Beeinflussung von Sozialwissenschaften und Publikationswesen und fragen nach Autorschaft und Genrekonjunkturen, Büchern und anderen Selektionsmechanismen und dem Zusammenhang von Veröffentlichung und Öffentlichkeit – stets unter der Prämisse, dass, wie die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift Mittelweg 36 argumentiert, „Publikationsregime“ einen privilegierten Beobachtungsposten für Veränderungen nicht nur im Publikationssystem, sondern auch in Wissenschaft und Gesellschaft darstellen.

Carlos Spoerhase ist Professor für Literaturwissenschaft an der Universität Bielefeld.

Episode #2: Antun

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In dieser Episode geht es um kollektive sexuelle Gewalt. Wir sprechen mit Laura Wolters und Marie Schmidt über die Studie »Vom Antun und Erleiden. Eine Soziologie der Gruppenvergewaltigung«, die in diesen Tagen in der Hamburger Edition erscheint. Angeleitet von der Frage »Was geht hier vor?« untersucht Laura Wolters konkrete Gewaltsituationen und die Deutungsmuster der Beteiligten. Im Podcast reden wir über ihren Zugang zum Thema, die Besonderheit der Verletzung, die durch sexuelle Gewalt zugefügt wird, und warum es für die Analyse hilfreich sein kann, das Normale in der Brutalität in den Blick zu nehmen.

Laura Wolters ist Wissenschaftlerin am Hamburger Institut für Sozialforschung.
Marie Schmidt ist Literaturkritikerin bei der Süddeutschen Zeitung.

Episode #1: Aufsteigen

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Geschichten von und über Aufsteiger:innen erfreuen sich anhaltender Beliebtheit. Wir lesen und hören gern von gesellschaftlichen Grenzüberschreitungen. Was macht den Reiz dieser Erzählungen aus? Wie prägen sie unser Verständnis von sozialer Ungleichheit? Und wer ist jetzt eigentlich der Klassenverräter? Wir sprechen über Natasha Browns Roman »Assembly«, der die Geschichte einer Schwarzen Frau erzählt, die in Armut aufgewachsen, nun viel Geld bei Ihrem Job in einer großen Londoner Bank verdient, und über Charles Tillys »Durable Inequality«, eine Studie, die der Dauerhaftigkeit sozialer Ungleichheit auf den Grund gehen will. Mit Marie Schmidt, Carlos Spoerhase und Thomas Hoebel.

Marie Schmidt ist Literaturkritikerin bei der Süddeutschen Zeitung.
Carlos Spoerhase ist Professor für Literaturwissenschaft an der Universität Bielefeld.
Thomas Hoebel ist Wissenschaftler am Hamburger Institut für Sozialforschung.

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