Gespräche über Literatur, Theorie und Gesellschaft

Hannah Schmidt-Ott und Jens Bisky laden im monatlichen Wechsel Wissenschaftler:innen und Autor:innen zu Gesprächen über Gesellschaft, Kultur und Theorie. Egal ob Romane, wissenschaftliche Studien, Gegenwartsbeobachtungen oder Sozialfiguren diskutiert werden: stets geht es um Menschen, wie sie sich aufeinander beziehen und was sie dabei freiwillig und unfreiwillig produzieren.

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Episode #25: Was ist schlecht an Eitelkeit?

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Mode- und Beauty-Trends sind ohne ihre Formung und Verbreitung durch Social Media heute kaum mehr vorstellbar. Doch was genau verändert sich durch die sozialen Medien? Welche Ästhetiken setzen sich durch, wie entwickeln sich Schönheitspraktiken und -kulturen? Stimmt es, dass wir – auch dank Social Media – immer eitler werden? Und was ist eigentlich schlecht an Eitelkeit? Hannah Schmidt-Ott spricht mit Diana Weis über Mode und Beauty in digitalen Zeiten.

Diana Weis ist Professorin für Modejournalismus an der BSP Business and Law School Berlin und unterrichtet Modetheorie an der Universität der Künste.

Episode #24: Was lehrt die Schule des Südens?

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Ob Pierre Bourdieu, Michel Foucault, Hélène Cixous oder Étienne Balibar – viele Vertreter:innen der French Theory sind in die „Schule des Südens“ gegangen. Der Kulturwissenschaftler Onur Erdur stellt in seinem Buch über die „kolonialen Wurzeln der französischen Theorie“ dar, was sie dort erfahren und gelernt haben. Mit Jens Bisky spricht er über intellektuelle Abenteuer, den algerischen Ursprung des Habitus-Konzepts, ein vergessenes Massaker in Paris und organisierte Fehllektüren.

Onur Erdur forscht und lehrt an der Humboldt-Universität zu Berlin zu Fragen der globalen Ideengeschichte.

Episode #23: Was macht Spaß beim Rezensieren?

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Die Religionswissenschaftlerin Caroline Neubaur hat jahrzehntelang für Zeitungen und das Radio Bücher rezensiert. Mit Hannah Schmidt-Ott spricht sie über ihre Tätigkeit als Kritikerin, die Entwicklung der bundesrepublikanischen Universitäts- und Presselandschaft seit den 1960er-Jahren und die Anforderungen des Genres: Was braucht es, abgesehen von entsprechender Kenntnis des Gegenstands, für eine gute Rezension? Wie viel Selbstbewusstsein und Konfliktbereitschaft, aber auch Freude am Schreiben sind nötig?

Caroline Neubaur ist Kritikerin, Autorin, Übersetzerin und Religionswissenschaftlerin.

Episode #22: Wie kann man unvermittelte Gewalt verstehen?

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Man streitet, prügelt sich, einer geht zu Boden – doch statt von ihm abzulassen, tritt der andere brutal auf den Wehrlosen ein. Das Geschehen scheint den Beteiligten wie ermittelnden Polizeibeamten kaum zu erklären. Vier solcher Fälle versuchten Totschlags untersucht der Soziologe Tobias Hauffe in seinem Buch »Die Leere im Zentrum der Tat«. Im Gespräch mit Jens Bisky erzählt er, was die Fälle gemeinsam haben und welche Fragen sie aufwerfen. Es geht um den »Handlungsmodus a-sozialer Gewalttätigkeit«, den Konsum von Gewaltdarstellungen und den Nutzen der schönen Literatur für soziologische Forschung.

Der Soziologe Tobias Hauffe ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr. Sein Buch »Die Leere im Zentrum der Tat. Eine Soziologie unvermittelter Gewalt« ist in der Hamburger Edition erschienen.

 

Episode #21: Wem gehört Marx?

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Auch wenn seit Karl Marx‘ Tod mehr als 140 Jahre vergangen sind, dauert die Regelung seines intellektuellen Nachlasses an. Clemens Boehncke und Hannah Schmidt-Ott verfolgen die Editionsgeschichte des Marx’schen Werkes von Friedrich Engels‘ Redigaten bis zur MEGA². Sie stoßen auf visionäre Schulabbrecher, Copyright-Probleme, Goethe-Gesamtausgaben, Konkurrenz unter Revolutionstheoretikern und jede Menge Aneignungsversuche. Es zeigt sich: das Ringen um das Marx’sche Erbe ist bis heute nicht vorbei.

Clemens Boehncke ist Wissenschaftler am Hamburger Institut für Sozialforschung. Neben laufenden Forschungsarbeiten zum rechtswissenschaftlichen Verlagsbuchhandel des 20. Jahrhunderts beschäftigt er sich mit der Theoriegeschichte der Sozialwissenschaften.

Episode #20: Wie überwindet man Inflation?

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Alles wird teurer – und zwar stärker als in den Jahren zuvor. Dass der Begriff der Inflation in aller Munde ist, nimmt die aktuelle Ausgabe des Mittelweg 36 zum Anlass, ihn genauer zu durchleuchten. Im Gespräch mit Jens Bisky eruieren die Herausgeber:innen Luca Kokol, Carolin Müller und Aaron Sahr, warum Inflation mitnichten allgemeine Geldentwertung und uniforme Teuerungsraten bedeutet. Doch warum steigen die Preise unterschiedlich stark und wer ist von den Erhöhungen betroffen? Was hat es mit dem von der Europäischen Zentralbank gesetzten Inflationsziel von 2 Prozent auf sich? Und wie kann Inflation überwunden werden?

Luca Kokol ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Hamburger Institut für Sozialforschung und Teil der Forschungsgruppe »Monetäre Souveränität«.
Carolin Müller ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Hamburger Institut für Sozialforschung und Teil der Forschungsgruppe »Monetäre Souveränität«.
Aaron Sahr, Wirtschaftssoziologe, ist Gastprofessor der Leuphana Universität Lüneburg und Leiter der Forschungsgruppe »Monetäre Souveränität« am Hamburger Institut für Sozialforschung.

Episode #19: Wie modern ist das Populäre?

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Populär ist, was den Geschmack der Massen trifft. Aber das war nicht immer so: Als das Populäre Mitte des 18. Jahrhunderts zum ästhetischen und kommunikativen Ideal avancierte, zielte es keinesfalls auf gefällige Unterhaltung, sondern auf basale Volkserziehung – und seine Stichwortgeber bezweckten nicht weniger als die Reformierung der Gesellschaft. Niels Penke und Hannah Schmidt-Ott sprechen über die unterschiedlichen Formationen des Populären, den anhaltend schlechten Ruf von Schauergeschichten und die Frage, wie Gesellschaftsstruktur und Popularität an der Schwelle zur Moderne interagierten.

Niels Penke ist Literaturwissenschaftler und vertritt aktuell die Professur für Germanistik und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität Siegen.

Episode #18: Was sind Triggerpunkte?

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In der aufgeregten Gegenwartsgesellschaft herrscht mehr Konsens, als meist angenommen. Aber bei bestimmten Themen gehen die Leute an die Decke. Warum ist das so und welche Fragen sind es, die Zorn, Empörung, Wut triggern? Die Soziologen Thomas Lux, Steffen Mau und Linus Westheuser gehen diesen Fragen in ihrem neuen Buch »Triggerpunkte« nach. Jens Bisky spricht mit ihnen über Reizthemen, Kampfarenen, Polarisierungsunternehmer – und einen möglichen neuen Klassenkonflikt, der um die Bewältigung des Klimawandels entstehen könnte.

Steffen Mau ist Professor für Makrosoziologie an der Humboldt-Universität zu Berlin. Thomas Lux und Linus Westheuser sind ebendort wissenschaftliche Mitarbeiter.

Episode #17:Was war sowjetische Energetik?

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»Kommunismus«, verkündete Lenin bekanntlich, »ist Sowjetmacht plus Elektrifizierung des ganzen Landes« . Doch wer genau waren die Köpfe hinter dem Elektrifizierungsplan? Und unter welchen Prämissen arbeiteten sie? Daniela Russ und Hannah Schmidt-Ott sprechen über die sowjetische Energieplanung der 1920er-Jahre und das Verständnis von Energiewirtschaft als »komplexes Ganzes«. Es geht um die Gruppe von Ingenieuren, die mit der Entwicklung des Elektrifizierungsvorhabens betraut war, das politische Projekt, das mit ihm verfolgt wurde, seine Rückbindung an Marx’sche Theorie und die Frage, warum es für die Energetiker die Energieressourcen waren, die Geschichte machen sollten – und woran das scheiterte.

Daniela Russ ist historische Soziologin und Juniorprofessorin für Global Dynamics of Resource Use and Distribution an der Universität Leipzig.

Episode #16: Was tun mit Starken Männern?

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Sie heißen Trump, Putin oder Xi Jinping, und sie prägen das politische Geschehen der Gegenwart: Starke Männer. Diesen Figuren disruptiver Politik widmet sich das aktuelle Heft des Mittelweg 36. Mitherausgeber Ulrich Bröckling und Jens Bisky sprechen über die Inszenierungen und den Erfolg der Strongmen, über Gemeinsamkeiten wie Unterschiede zwischen ihnen. Sie fragen nach vernünftigen Reaktionen auf personalisierte Politik – und ob Marine Le Pen in diese Reihe gehört.

Ulrich Bröckling ist Professor für Kultursoziologie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau. 2020 veröffentlicht er »Postheroische Helden. Ein Zeitbild«.

 

Episode #15: Warum fasziniert Adorno?

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Sei es in den Sozialwissenschaften, Lesekreisen oder Zeitungsfeuilletons: obwohl sein Denken wenig mit aktuellen akademischen Diskursen vereinbar scheint, bleibt Theodor W. Adorno nach wie vor präsent, wird studiert, zitiert und kritisiert. Iris Dankemeyer und Hannah Schmidt-Ott gehen der Frage nach, worin die Anziehungskraft seiner Schriften besteht. Es geht um den Reiz von existenziellem Pathos, Gänsehaut als ästhetische Kategorie, das gern missverstandene Verhältnis zu Max Horkheimer, Lektürefreuden und Adornos Kritik am Berghain.

Iris Dankemeyer ist Vertretungsprofessorin an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg und hat sich ihrer Dissertation intensiv mit den musikalischen Schriften Adornos befasst.

Episode #14: Warum Wieland?

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Christoph Martin Wieland hat die moderne deutsche Literatur erfunden, argumentiert Jan Philipp Reemtsma in seiner jüngst erschienenen großen Wieland-Biographie. Diese These provoziert Rückfragen: Was heißt »modern«? Was verstand Wieland unter Literatur? Und wie hat er gearbeitet? Jens Bisky und Jan Philipp Reemtsma sprechen über Werkeund Leben Wielands, über dessen selbstbewusste Frauenfiguren und Kasuistik in Liebesdingen.

Jan Philipp Reemtsma, Philologe, Gründer des Hamburger Instituts für Sozialforschung und dessen langjähriger Vorstand, ist Geschäftsführender Vorstand der Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur. Er war Professor für Neuere Deutsche Literatur an der Universität Hamburg.

Episode #13: Was bedeutet Lektorieren?

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Einen Roman schreiben und ihn in einem renommierten Verlag veröffentlichen – das ist ein oft gehegter Traum. Aber wie funktioniert das eigentlich? Was passiert mit einem Manuskript, bevor es als Buch zum Verkauf steht, und wie gestaltet sich die Rolle der Lektor:in in diesem Prozess? Hannah Schmidt-Ott spricht mit Jacob Teich, Lektor im Suhrkamp Verlag, über seine vielfältigen Aufgaben, die Arbeit an belletristischen Texten und die Frage, was Autorschaft so reizvoll macht.

Jacob Teich ist Lektor für deutschsprachige Literatur im Suhrkamp Verlag.

Episode #12: Was erzählen Renegaten?

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Eine fast vergessene Sozialfigur ist auf die politische Bühne zurückgekehrt: der Renegat. Während sich in vielen Debatten die Fronten verhärten, erfreut sich die Selbsterzählung vom heroischen Wechsel der Seiten großer Beliebtheit; Renegatentum ist eine Pose geworden. Das aktuelle Heft des Mittelweg 36, »Renegaten – Konjunktur einer Kippfigur«, nimmt sich des Themas an. Jens Bisky spricht mit Mitherausgeberin Carolin Amlinger über Leute, die »aus Versehen« konservativ, rechts, reaktionär geworden sind und nicht müde werden, davon zu erzählen. Welchen Mustern folgen diese Erzählungen? Welche Vorteile bringt die renegatische Pose? Und was verrät sie über »lechts und rinks«?

Carolin Amlinger lehrt an der Universität Basel. Mit Oliver Nachtwey hat sie die viel diskutierte Studie »Gekränkte Freiheit. Aspekte des libertären Autoritarismus« verfasst. 2021 erschien im Suhrkamp Verlag ihr Buch »Schreiben. Eine Soziologie literarischer Arbeit«. Jüngst hat sie gemeinsam mit Nicola Gess und Lea Liese Heft 1/2023 des Mittelweg 36 herausgegeben.

Episode #11: Was ist Ethnopsychoanalyse?

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Es sind die 1960er-Jahre, drei Schweizer Psychoanalytiker:innen machen sich auf die Reise in die ehemalige französischen Kolonie im westafrikanischen Mali, um mit psychoanalytischen Methoden ethnologische Forschungen durchzuführen. Sie wollen die Volksgruppe der Dogon »mit den Ohren kennenlernen«, indem sie analytische Gespräche mit ihren Mitgliedern führen, und begründen so ein neues Forschungsfeld: die Ethnopsychoanalyse. Vor dem Hintergrund von Dagmar Herzogs Buch »Cold War Freud. Psychoanalysis in an Age of Catastrophes« sprechen Aaron Lahl und Hannah Schmidt-Ott über die Ethnopsychoanalyse als Forschungsmethode, die Zeit- und Raumgebundenheit psychoanalytischer Konzepte und die Verquickung von Psychoanalyse und Politik.

Aaron Lahl ist Psychologe und Sexualforscher, arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der International Psychoanalytic University Berlin und hat »Cold War Freud« kürzlich ins Deutsche übersetzt.

Episode #10: Erzählen

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Welche Geschichten erzählt die Gegenwartsliteratur? In der letzten Podcast-Folge des Jahres ziehen wir Bilanz und diskutieren mit Marie Schmidt und Carlos Spoerhase narrative Trends und Konjunkturen, die sich in jüngerer Zeit abgezeichnet haben: Welche Kritik gibt es am Trauma-Plot? Kennt die neuere Literatur noch klassische Liebesgeschichten? Wollen Leser:innen von Belletristik nur gefälliges Entertainment in Form altbekannter Stile und Motive? Und ist der Bedarf an autofiktionaler Literatur irgendwann gedeckt?

Marie Schmidt ist Literaturkritikerin bei der Süddeutschen Zeitung.
Carlos Spoerhase ist Literaturwissenschaftler in München.

Episode #9: Weitermachen

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Wie sieht der Alltag der Geisteswissenschaften aus? Die Literaturwissenschaftler Carlos Spoerhase und Steffen Martus haben ein Buch zur »Geistesarbeit« geschrieben, eine »Praxeologie der Geisteswissenschaften«. Darin untersuchen sie das voraussetzungsreiche, vielschichtige und empfindliche Gefüge von Praktiken, das kennen und beachten sollte, wer die Geisteswissenschaften reformieren will. Es geht um Lesen, Schreiben und Exzerpieren, um Seminare, Vorlesungen, Sonderdrucke und den Konferenzschlaf. Im Zentrum stehen dabei Friedrich Sengle und Peter Szondi.

Steffen Martus lehrt Literaturwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin.
Carlos Spoerhase ist Literaturwissenschaftler in München.

Episode #8: Bewerben

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Wer sich um eine Arbeitsstelle bemüht, ist zumeist darauf angewiesen, die potenzielle Arbeitgeberin im Rahmen einer Bewerbung von seinen Qualitäten zu überzeugen. Wie ein solches Stellengesuch auszusehen hat, welchen Ton man wählt, welche Unterlagen beilegt, ist in vielen Branchen klar geregelt – was allerdings nicht bedeutet, dass nicht immer auch das Gegenteil richtig sein kann. Wir sprechen über Timo Luks kulturhistorische Studie »In eigener Sache«, in der er den Veränderungen nachspürt, die Form und Inhalt von Bewerbungen im Laufe der vergangenen 250 Jahre durchlaufen haben. Außerdem geht es um Sprachspiele, Strukturzwänge und eigene Erfahrungen auf dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt.

Marie Schmidt ist Literaturkritikerin bei der Süddeutschen Zeitung.

Episode #7: Preisen

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Bald ist es wieder so weit: Die schwedische Akademie verkündet, wer in diesem Jahr den Literaturnobelpreis erhält. Die Haltung zu diesem und zu anderen Literaturpreisen ist ambivalent: Die Bekanntgabe der Preisträger:innen wird mit Spannung erwartet und von der Öffentlichkeit mit großem Interesse verfolgt, die getroffene Wahl aber nicht selten skandalisiert. Über Inszenierung und Logik der Preisvergabe, die Folgen für das literarische Leben und den Betrieb sowie die Unterschiede zu Rankings unterhält sich Jens Bisky mit dem Literaturwissenschaftler Carlos Spoerhase und dem Soziologen Tobias Werron. Sie fragen: Wie würde ein Ranking der wichtigsten Literaturpreise aussehen?

Tobias Werron ist Professor für Soziologische Theorie und Allgemeine Soziologie an der Universität Bielefeld.
Carlos Spoerhase ist Professor für Literaturwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Episode #6: Lesen

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In der Sommerfolge sprechen die Literaturkritikerin Marie Schmidt und die Wissenschaftsredakteurin Hannah Schmidt-Ott über das Lesen als Praxis und Geschäft. Es geht um die Entwicklungen des Feuilletons unter dem Primat der Klickzahlen, die Untiefen des Rezensionswesens und die Folgen der Déformation professionnelle. Außerdem gibt’s Lesetipps für den Sommer.

Marie Schmidt ist Literaturkritikerin bei der Süddeutschen Zeitung.

Episode #5: Generalisieren

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Was haben Chicago und Fruchtfliegen gemeinsam? Sie nehmen in der Soziologie beziehungsweise der Biologie jeweils die Rolle von »Model Cases« ein. Es handelt sich um besonders gut beforschte Einzelfälle, deren Eigenschaften generalisiert werden und die unsere allgemeinen Vorstellungen – etwa von der amerikanischen Stadt – unverhältnismäßig stark prägen. Anhand des gleichnamigen Buchs von Monika Krause sprechen wir über das Generalisieren in den Sozial- und Literaturwissenschaften und fragen nach der Bedeutung von Gelegenheitsstrukturen in Forschungsprozessen, den Folgen der Kanonisierung von Denker:innen und der Rolle, die Geschichtsphilosophie bei der Konzentration auf »Model Cases« spielt.

Carlos Spoerhase ist Professor für Literaturwissenschaft an der Universität Bielefeld.

Episode #4: Nachholen

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Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine herrscht dort Krieg und wir stellen fest, dass wir wenig wissen über die Geschichte und Gegenwart des Landes. Angesichts dieses Nachholbedarfs entscheiden wir uns für das Naheliegende: Gemeinsam mit der Literaturkritikerin Marie Schmidt wenden wir uns drei Büchern zu, die ganz unterschiedliche Schlaglichter auf die Ukraine und ihre Bewohner:innen werfen, aber gemeinsam haben, dass sie viele Einzelheiten aufrufen, die sich zum Panorama verdichten. Wir sprechen über »Unsere Anderen« von Olesya Yaremchuck, »Offene Wunden Osteuropas« von Franziska Davies und Katja Makhotina sowie »In Isolation« von Stanislaw Assejew.

Marie Schmidt ist Literaturkritikerin bei der Süddeutschen Zeitung.

Episode #3: Publizieren

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»Es wird für den Druck geforscht«, sagt Luhmann, aber was bedeutet dieser Umstand in Zeiten von Peer Review und Online-Repositorien? Wir sprechen mit Carlos Spoerhase über die wechselseitige Beeinflussung von Sozialwissenschaften und Publikationswesen und fragen nach Autorschaft und Genrekonjunkturen, Büchern und anderen Selektionsmechanismen und dem Zusammenhang von Veröffentlichung und Öffentlichkeit – stets unter der Prämisse, dass, wie die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift Mittelweg 36 argumentiert, „Publikationsregime“ einen privilegierten Beobachtungsposten für Veränderungen nicht nur im Publikationssystem, sondern auch in Wissenschaft und Gesellschaft darstellen.

Carlos Spoerhase ist Professor für Literaturwissenschaft an der Universität Bielefeld.

Episode #2: Antun

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In dieser Episode geht es um kollektive sexuelle Gewalt. Wir sprechen mit Laura Wolters und Marie Schmidt über die Studie »Vom Antun und Erleiden. Eine Soziologie der Gruppenvergewaltigung«, die in diesen Tagen in der Hamburger Edition erscheint. Angeleitet von der Frage »Was geht hier vor?« untersucht Laura Wolters konkrete Gewaltsituationen und die Deutungsmuster der Beteiligten. Im Podcast reden wir über ihren Zugang zum Thema, die Besonderheit der Verletzung, die durch sexuelle Gewalt zugefügt wird, und warum es für die Analyse hilfreich sein kann, das Normale in der Brutalität in den Blick zu nehmen.

Laura Wolters ist Wissenschaftlerin am Hamburger Institut für Sozialforschung.
Marie Schmidt ist Literaturkritikerin bei der Süddeutschen Zeitung.

Episode #1: Aufsteigen

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Geschichten von und über Aufsteiger:innen erfreuen sich anhaltender Beliebtheit. Wir lesen und hören gern von gesellschaftlichen Grenzüberschreitungen. Was macht den Reiz dieser Erzählungen aus? Wie prägen sie unser Verständnis von sozialer Ungleichheit? Und wer ist jetzt eigentlich der Klassenverräter? Wir sprechen über Natasha Browns Roman »Assembly«, der die Geschichte einer Schwarzen Frau erzählt, die in Armut aufgewachsen, nun viel Geld bei Ihrem Job in einer großen Londoner Bank verdient, und über Charles Tillys »Durable Inequality«, eine Studie, die der Dauerhaftigkeit sozialer Ungleichheit auf den Grund gehen will. Mit Marie Schmidt, Carlos Spoerhase und Thomas Hoebel.

Marie Schmidt ist Literaturkritikerin bei der Süddeutschen Zeitung.
Carlos Spoerhase ist Professor für Literaturwissenschaft an der Universität Bielefeld.
Thomas Hoebel ist Wissenschaftler am Hamburger Institut für Sozialforschung.

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