Bruno Cabanes (Hg.), »Eine Geschichte des Krieges«

Banner Cabanes, Eine Geschichte des Krieges
  • Umfassendes Kompendium zum Verständnis moderner Kriege
  • Globalgeschichtliche Betrachtung aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Perspektiven
  • Beiträge von 57 internationalen Expert*innen
  • Hochwertige Ausstattung mit Lesebändchen
Cover Cabanes, Eine Geschichte des Krieges

Bruno Cabanes (Hg.)

unter Mitarbeit von Thomas Dodman, Hervé Mazurel und Gene Tempest

Eine Geschichte des Krieges

Vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart
Aus dem Französischen von Daniel Fastner, Michael Halfbrodt und Felix Kurz
Gebunden, ca. 900 Seiten, umfangreicher Index, 39 Euro
ISBN 978-3-86854-346-9
Erscheint im September 2020

In diesem monumentalen Buch beleuchten 57 internationale Wissenschaftler*innen unter Federführung des französischen Historikers Bruno Cabanes die zahlreichen Facetten kriegerischen Handelns vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart.

In den letzten zweihundert Jahren hat sich der Krieg zu einem Phänomen entwickelt, das alle Lebensbereiche betrifft und Gesellschaft, Politik, Kultur und Ökonomie verändert. Der moderne Krieg, zu dem oft Partisanenkämpfe, Terroranschläge, Massaker oder ethnische Säuberungen gehören und der immer häufiger als hochtechnologischer Cyberwar geführt wird, ist entgrenzt und richtet sich zunehmend auch gegen die Zivilbevölkerung. Und trotz eines immer ausgefeilteren Internationalen Völkerrechts schwindet die Orientierung an Regeln der Kriegführung.

Um den grundlegenden Wandel moderner Kriege zu analysieren, bedarf es einer Vielfalt der Disziplinen, und so bietet diese Geschichte des Krieges ein multiperspektivisches Panorama aus Geschichte, Soziologie, Politikwissenschaft, Psychologie, Ökonomie und Anthropologie. Die Expert*innen betrachten diese Veränderungen auch jenseits einer rein westlichen Perspektive in Japan, China, Indien oder Afrika und anderen Gegenden der Welt.

In ihrer außergewöhnlichen Vielfältigkeit verdeutlichen die Beiträge den Wandel des Krieges und ermöglichen es, den Krieg neu zudenken.

Der Herausgeber Bruno Cabanes

Bruno Cabanes

Bruno Cabanes ist Inhaber des Donald-G.-&-Mary-A.-Dunn-Lehrstuhls für Kriegsgeschichte an der Ohio State University. Er lehrte neun Jahre lang an der Yale University und forscht und veröffentlicht vor allem zur Sozial- und Kulturgeschichte des Ersten Weltkrieges und der direkten Nachkriegszeit.

Leseprobe

»Wir befinden uns im Krieg.« Wie oft haben wir diese prätentiöse Erklärung von offizieller Seite schon vernommen? Seit dem 11. September 2001 gilt jedes Attentat bereits als »Kriegshandlung«. Der »Krieg gegen den Terrorismus« scheint endlos; zusätzlich drohen Cyberkriege, Kriege mit chemischen oder bakteriologischen Kampfstoffen und sogar die neuerliche Proliferation von Atomwaffen. Doch wenn wir uns »im Krieg« befinden, um welchen Krieg handelt es sich eigentlich? Heute haben die meisten Bürgerinnen und Bürger westlicher Staaten zu ihren Lebzeiten weder kriegerische Auseinandersetzungen in ihren Ländern noch eine Generalmobilmachung erlebt. In Frankreich muss man für die letzte formelle Kriegserklärung bis zum 3. September 1939 zurückgehen. Und doch war die französische Armee nach dem Zweiten Weltkrieg in Indochina im Kampfeinsatz, und eine ganze Generation war aufgerufen, in Algerien zu kämpfen. Von offizieller Seite wurde der »Algerienkrieg« – euphemistisch als »Ereignisse in Algerien« bezeichnet – lange Zeit geleugnet. Seit den 1960er Jahren hat sich Frankreich an über 30 Militäreinsätzen in seinen ehemaligen afrikanischen Kolonien beteiligt. Mehr als 11000 französische Soldatinnen und Soldaten sind gegenwärtig von Afrika bis zum Nahen Osten im Einsatz. Für Jugendliche in den USA sieht es heute genauso aus. Sie haben ihr ganzes Leben lang in einem Land gelebt, das sich »im Krieg« befand – allerdings nicht in dem Sinne, wie ihre Urgroßeltern das Wort verstanden: Seit dem 4. Juni 1942 hat der Kongress keinen Krieg mehr erklärt (damals gegen Rumänien, Bulgarien und Ungarn). Das bedeutet aber nicht, dass die Vereinigten Staaten keine bewaffneten Einsätze, gelegentlich unter dem Mandat der Vereinten Nationen oder in Form von Spezialoperationen, fast überall auf der Welt durchgeführt hätten.

Einleitung und Inhaltsverzeichnis

Inhalt

Reguläre, symmetrische Kriege zwischen souveränen Staaten mit einem ungeheuren Einsatz von Menschen und Materialien dominierten von der Französischen Revolution bis 1945. Seither kam es zu einem radikalen Wandel. Das Kriegsgeschehen ist nun weltweit von Formen asymetrischer Kriege – Bürgerkriege, Kolonialkriege, Guerillakriege und Terrorismus – geprägt.

 

  • Einleitung   David A. Bell
  • Den Krieg denken   Jean-Vincent Holeindre
  • Der Zweck der Schlachten: Strategen und Strategien   Sir Hew Strachan
  • Die Zeit der Bürgersoldat*innen   Alain Forrest
  • Die Söldner*innen, outgesourcte Soldat*innen   Christopher Kinsey
  • Krieg und Recht   Samuel Moyn
  • Umweltzerstörung   John R. McNeill
  • Technologie ist nichts ohne Strategie   Michael Neiberg
  • Das Drohnen-Zeitalter   Katharine Hall
  • Der Aufstieg des Kriegsstaats   Richard Overy
  • Der Preis des Krieges   Jennifer Siegel
  • Die Heimatfront   Karen Hagemann
  • Nie wieder Krieg!   Carl Bouchard
  • Die Mythen des britischen Imperialismus   Caroline Elkins
  • Guerilla und Aufstandsbekämpfung   Adam Baczko
  • China: Die Revolution als Krieg   Victor Louzon
  • Zeitalter des Terrorismus   John Lynn
  • Die AK-47 erobert die Welt   Marius Loris

Durch die Transformation des Krieges verwischt, ja schwindet die Grenze zwischen Kombattant*innen und Nichtkombattant*innen. Damit verändert sich nicht nur das Kampfgefüge, sondern auch die Rekrutierung, Willenskraft, Opferbereitschaft und Disziplin. Die asymmetrische Polarisierung zwischen verschiedenen Typen von Streitkräften schafft auch hinsichtlich Geschlecht und Alter komplexe soldatische Welten.

 

  • Einleitung   John Horne
  • Die »Fabrikation« von Soldat*innen   Odile Roynette
  • Der Fahne dienen   Jörg Echternkamp
  • Kombattant*innen aus den Kolonien   Eric Jennings
  • Die Freiwilligen   Hervé Mazurel
  • Ist der Krieg reine Männersache?   Mary Louise Roberts
  • Die Welt der Partisaninnen und Partisanen   Masha Cerovic
  • Kindersoldaten   Manon Pignot
  • Bedarf an Held*innen   Johan Chapoutot
  • Rebellen und Verweigerer   Nicolas Offenstadt
  • Millionen Gefangene   Fabien Théofilakis
  • Standhalten   Emmanuel Saint-Fuscien
  • »Schreibe mir oft«   Clémentine Vidal-Naquet

Die Erfahrungen des Krieges sind breit gefächert, sie stellen sich den Akteur*innen jeweils anders dar, selbst wenn sie denselben Konflikt am selben Ort erleben.
Beschleunigte technologische Veränderungen führen zur Intensivierung der Kriegsgewalt, zu fortschreitender Brutalisierung. Gräueltaten erlebt auch, wer keine Waffen trägt. Die neuartige Dimension der Bedrohung erkärt das Ausmaß von Flucht und Vertreibung.

 

  • Einleitung   Stéphane Audoin-Rouzeau

Erfahrungen von Soldat*innen
 

  • Eine Belastungsprobe für den Körper   Hervé Mazurel
  • Was tun mit den Toten?   Bruno Cabanes
  • Wunden und Verwundete   Anne Rasmussen
  • Zeugnis ablegen   Nicolas Beaupré
  • »Sonderbare Gefühle aller Art«   Thomas Dodman
  • Der verwilderte Krieg in den Kolonien   Raphaëlle Branche

Erfahrungen von Zivilist*innen
 

  • Der Bombenkrieg, vom Boden aus betrachtet   Richard Overy
  • Schweigen über Hiroshima   Ken Daimaru
  • Besatzungsregime   Alya Aglan / Johann Chapoutot
  • Goya: Anatomie eines Massakers   Laurence Bertrand Dorléac
  • 1912–1945: Die Gesellschaften machen mobil   Robert Gerwarth
  • Japan: der Krieg der anderen?   Sheldon Garon
  • Hunger als Waffe   Heather Jones
  • Extreme der Gewalt   Christian Ingrao
  • Den eigenen Nachbarn töten   José Luis Ledesma
  • Bürgerkrieg in der Vendée   Anne Rolland-Boulestreau
  • Vergewaltigung: eine Kriegswaffe?   Raphaëlle Branche
  • Flüchtlinge und Vertriebene   Daniel Cohen

Jeder Krieg verändert die beteiligten Individuen und Völker grundlegend. Dessen Ende tritt nicht abrupt ein, sondern bedeutet einen langen Übergang, währenddessen sich herausstellt, was nach der physischen Konfrontation vom Konflikt bleibt. Im Frieden bestehen die Verwundungen einzelner wie der Gesellschaft fort. Doch setzt der Kriegsausgang auch produktive Erinnerungen, Deutungen und Utopien frei.

 

  • Einleitung   Henry Rousso
  • Wien, Paris, Jalta: Frieden schließen   Leonard V. Smith
  • Kriegsheimkehrer*innen   Bruno Cabanes
  • Aus Ruinen   Danièle Voldman
  • »Die Flamme Stalingrads ist erloschen«   Johann Hellbeck
  • Wer hat den Amerikanischen Bürgerkrieg gewonnen?   Brian Jordan
  • Die Zeit der Trauer   Annette Becker
  • Die Gespenster von My Lai   Meredith H. Lair
  • Nerven und Neurosen   Thomas Dodman
  • Der überlebende Zeuge   Annette Wieviorka
  • Urteilen, die Wahrheit sagen, versöhnen   Élisabeth Claverie
  • Nach dem Völkermord: die Gacaca   Hélène Dumas
Pressestimmen

Pressestimmen

»Dieses Buch eröffnet zahlreiche Wege, um Krieg neu zu denken.«
Le Figaro

»Dieses Buch ist ein Meilenstein«
Le Temps

»Zweifellos ein Referenzwerk für die Zukunft.«
Libération next

»Das Verdienst des Buches ist es, Krieg kultur- und militärgeschichtlich zu betrachten und dabei den wissenschaftlichen Rahmen durch die Vielfalt der Disziplinen und Kulturräume enorm zu erweitern.«
Le Monde

»Dieses umfangreiche Überblickswerk möchte neue Sichtweisen auf Krieg eröffnen und versteht ihn nach Marcel Mauss als gesellschaftliches Totalphänomen.«
Le Figaro

»Eine umfassende Gesamtdarstellung des Krieges und seiner Veränderungen in den letzten zwei Jahrhunderten, von Konflikten zwischen Nationalstaaten bis zu asymmetrischen Auseinandersetzungen von heute.«
Le Point

»Fernab von traditioneller Geschichtsschreibung – ob militärisch, strategisch oder diplomatisch – geht das Werk auf aktuelle Probleme ein [...] und bietet so einen umfassenden, oft tragischen Querschnitt moderner Kriegserfahrungen, von der Französischen Revolution bis in die heutige Zeit.«
Libération next

»Jeder Beitrag ist ausgesprochen gut lesbar ohne dass er dadurch an wissenschaftlichem Anspruch verliert. Das Ganze fügt sich so zu einem Buch, das sowohl einem größeren Publikum als auch Spezialisten gefallen wird.«
Guillaume Piketty, histoire-politique.fr