25 Jahre 25 Bücher

Die Hamburger Edition verfügt über ein Programm mit mehr als 200 lieferbaren Titeln. Anlässlich unseres Jubiläums haben wir 25 daraus ausgewählt, die die Vielfalt der Themen und Autor*innen der letzten 25 Jahre repräsentieren. Diese zehn machen den Anfang, weitere folgen.

Aaron Sahr: Keystroke-Kapitalismus. Ungleichheit auf Knopfdruck

Geld vervielfältigt sich mit atemberaubender Geschwindigkeit: 1980 war nur ein Prozent der derzeitigen weltweiten Geldmenge im Umlauf; allein zwischen 2006 und 2019 hat sich diese (trotz Finanzkrise) verdoppelt. Ermöglicht wurde dies auch dadurch, dass Banken Geldbeträge per Knopfdruck schaffen können – Aaron Sahr erläutert und analysiert diesen Vorgang in seinem Buch »Keystroke-Kapitalismus«. Sahrs »lesenswertes, gerade auch für Ökonomen inspirierendes Buch« enthüllt einen »grundlegenden Systemfehler« (Bernhard Emunds, FAZ) im Maschinenraum des Kapitalismus, der auf Dauer zwangsläufig zu immer mehr Ungleichheit führt.

Jan Philipp Reemtsma: Vertrauen und Gewalt. Versuch über eine besondere Konstellation der Moderne

In »Vertrauen und Gewalt« geht Jan Philipp Reemtsma der Frage nach, warum es auch in den vermeintlich gewaltfernen Gesellschaften der Moderne zu Gewaltexzessen kam und kommt. Reemtsmas »Versuch über eine besondere Konstellation der Moderne« veranschaulicht und kontextualisiert sein Thema anhand von zahlreichen Beispielen aus Mythen, Belletristik und Geschichte – von Homer über Shakespeare bis Thomas Mann. Die von der ZEIT-Redaktion als eines der »besten Bücher« ihres Erscheinungsjahrs empfohlene Schrift ist dabei nicht nur ein »Lesevergnügen« (Konrad Lotter, Widerspruch), sondern liefert auch wertvolle Anregungen für die Gewaltforschung als Disziplin: »Wer in den kommenden Jahren vernünftig über Gewalt sprechen will, wird an diesem Buch nicht vorbeikommen« (Jens Bisky, Süddeutsche Zeitung).

Randall Collins: Dynamik der Gewalt. Eine mikrosoziologische Theorie

Zu den Übersetzungen, mit denen es der Hamburger Edition gelang, ein bisher unbeachtetes Werk im deutschsprachigen Diskurs zu verankern, gehört sicherlich das Buch »Dynamik der Gewalt« des amerikanischen Soziologen Randall Collins. Collins’ Mikrosoziologie analysiert Gewalt in all ihren Facetten und präsentiert »ein reiches Repertoire an Verstehens- und Deutungsweisen menschlichen Handelns« (Christian Gudehus, H-Soz-Kult). Entstanden ist »eine brillant geschriebene (und übersetzte), beispielsatte und provokante Studie […]. Sie gehört in die Grundausbildung von Politikern, Polizei- und Militärführern, Pädagogen« (Pieke Biermann, Dradio Kultur).

Robert Kindler: Stalins Nomaden. Herrschaft und Hunger in Kasachstan

In »Stalins Nomaden« widmet sich der Historiker Robert Kindler einem vergessenen Kapitel stalinistischer Herrschaft, nämlich der Hungersnot im Kasachstan der 1930er Jahre. Die von der Sowjetführung ausgelöste Krise, die, anders als der Holodomor in der Ukraine, bis zur Veröffentlichung des Buches so gut wie keine Beachtung gefunden hat, wird von Kindler als »Sowjetisierung durch Hunger« gedeutet. Als positiv wahrgenommen wurde auch Kindlers intensive Quellenarbeit in russischen und kasachischen Archiven: »Innovativer kann Geschichtswissenschaft nicht sein« (Sven Felix Kellerhoff, Die Welt).

Wolfgang Kraushaar/Jan Philipp Reemtsma/Karin Wieland: Rudi Dutschke Andreas Baader und die RAF

Obwohl sich Rudi Dutschke und Andreas Baader in ein- und derselben historischen Strömung bewegten, erscheinen sie als Persönlichkeiten in Auftreten und Motiven diametral entgegengesetzt. Wie das Buch »Rudi Dutschke Andreas Baader und die RAF« herausstellt, verband beide jedoch eine obsessive Affinität zur Gewalt und der Glaube an die Strategie der Eskalation. Die drei Einzelaufsätze von Wolfgang Kraushaar, Jan Philipp Reemtsma und Karin Wieland arbeiten die oft übersehenen Kontinuitäten zwischen Studentenbewegung und RAF hervor und stellen eine »blitzende Polemik über den Mythos der RAF« (Gerd Koenen, Die Zeit) dar, deren »Lesenswürdigkeit gar nicht heftig genug empfohlen werden kann« (Christoph Hein, Süddeutsche Zeitung).

Jacqueline Bhabha: Migration als Krise? Wie ein Umdenken möglich ist

Die Bücher der »kleinen reihe« skizzieren politische Debatten und greifen bedeutende Fragen auf, wie zum Beispiel nach dem richtigen Umgang mit Migration. Das Ausmaß, das Migration in den letzten Jahren angenommen hat, löst häufig Panik und dramatische Reaktionen aus. Die Probleme scheinen schier unüberwindlich. Aber ist dem wirklich so? Jacqueline Bhabha, Professorin für Gesundheit und Menschenrechte an der Harvard University zeigt, was getan werden muss, um nachhaltige und gerechte Lösungen zu finden.
»Ein gediegenes Büchlein gegen das Stammtischgerede.« meint Rudolf Walther, taz.

Ann Pettifor: Die Produktion des Geldes. Ein Plädoyer wider die Macht der Banken

Zu den wenigen Stimmen, die vor 2007 auf die Möglichkeit einer globalen Wirtschaftskrise hinwiesen, zählte auch Ann Pettifor. Seither gehört die südafrikanische Ökonomin zu den profiliertesten Kritiker*innen eines unkontrollierten Finanzsektors. Für ihr Buch »Die Produktion des Geldes« wurde Pettifor 2018 mit dem Hannah-Arendt-Preis für politisches Denken ausgezeichnet; laut Jury stellt das von Pettifor formulierte Plädoyer wider die Macht der Banken »ein politisches Manifest gegen die scheinbar unangreifbare Macht des Finanzkapitals [dar], das darauf abzielt, den Bürgerinnen und Bürgern das Vertrauen in ihre politische Handlungsfähigkeit zurückzugeben.«

Bernd Greiner: Krieg ohne Fronten. Die USA in Vietnam

Nach wie vor ist »Krieg ohne Fronten« das Standardwerk über den Vietnamkrieg. Bernd Greiner erzählt die Geschichten hinter den verstörenden Bildern von erschossenen Zivilisten, verbrannten Kindern und zerstörten Dörfern. Er analysiert sehr präzise die Ursachen und Voraussetzungen der amerikanischen Kriegsverbrechen und erklärt, warum reguläre Verbände zu marodierenden Haufen wurden, Routineeinsätze in Massakern endeten. »Noch nie zuvor ist so eindringlich und materialreich geschildert worden, wie ein militärischer Konflikt […] zu einem Gewaltexzess eskalierte, der alle westlichen Werte und Errungenschaften infrage stellte.« Volker Ullrich, Die Zeit

Carola Dietze, Die Erfindung des Terrorismus in Europa, Russland und den USA 1858–1866

Wer waren die Erfinder des Terrorismus? Wer kam als erster auf die Idee, die Massenmedien und Errungenschaften aus der Transport- und Kommunikationsrevolution zur Durchsetzung seiner Ziele zu nutzen? Carola Dietze beschreibt packend und luzide, welche Voraussetzungen nötig waren, um den Terrorismus zu erfinden, und welche Transfer- und Rezeptionsprozesse zwischen Europa, den USA und Russland schlussendlich zur Entwicklung einer Taktik führten, die seit 1866 nur noch technisch abgewandelt wurde.
»Carola Dietze gelingt es in ihrem Werk, sozialwissenschaftliche Theorien für die historische Forschung fruchtbar zu machen und zugleich zu zeigen, wie die historische Empirie zu neuen Einsichten führen kann.« Dieter Langewiesche, Historische Zeitschrift 2/2017

Matthias Fink: Srebrenica. Chronologie eines Völkermords oder Was geschah mit Mirnes Osmanović

Der Völkermord von Srebrenica gilt als das schwerste Kriegsverbrechen in Europa seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Mehr als 8.000 Bosniaken wurden im Zuge der Auseinandersetzungen umgebracht. Der vierzehnjährige Mirnes Osmanović war einer von ihnen. Er verwand, wie so viele andere, vor den Augen der UN-Blauhelmsoldaten, die um Srebrenica eine UN-Schutzzone eingerichtet hatten. Matthias Fink, Journalist und Prozessbeobachter am ICTY, zeichnet anhand von Beweisdokumenten und Zeugenaussagen die Ereignisse um den 11. Juli 1995 und das Schicksal der Familie Osmanović nach. Er erzählt »präzise, fesselnd und erkenntnisfördernd, wie die Belagerung von Srebrenica in einen Völkermord eskalierte«, Tobias Bütow, Politologe und Zeithistoriker am Centre international de formation européenne

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