25 Jahre 25 Bücher

Die Hamburger Edition verfügt über ein Programm mit mehr als 200 lieferbaren Titeln. Anlässlich unseres Jubiläums haben wir 25 daraus ausgewählt, die die Vielfalt der Themen und Autor*innen der letzten 25 Jahre repräsentieren.

Pierre Rosanvallon: Die gute Regierung

Wie demokratisch sind Systeme, in denen die Teilhabe der Wählenden darauf beschränkt ist, die Politik einer mächtigen Exekutive abzunicken? Pierre Rosanvallon spricht in diesem Fall von »Genehmigungsdemokratien« und sieht sie als Ergebnis einer zunehmenden »Präsidialisierung« der Politik, die in Staaten wie Russland und der Türkei offensichtlich ist, deren Ansätze jedoch auch in westlichen Ländern bemerkt werden können. Sein Buch »Die gute Regierung« erschien in der Hamburger Edition 2016 – kurz nach dem Militärputsch in der Türkei und während der US-Präsidentschaftswahlen – und erfuhr Lob als »Pflichtlektüre« (Andreas Zielke, ZEIT) sowie als »hochrelevante zukunftsorientierte Betrachtung« (Norbert Seitz, Deutschlandfunk).

Michael Wildt: Generation des Unbedingten. Das Führungskorps des Reichssicherheitshauptamtes

Als »Generation des Unbedingten« bezeichnete der Historiker Michael Wildt das Milieu junger Männer, aus dem sich die Führung des Reichsicherheitshauptamts rekrutierte. Entgegen einer seit dem Eichmann-Prozess gängigen Auffassung dieser Beamter als »Schreibtischtäter oder Bürokraten« konnte Wildt anhand zahlreicher Biografien nachweisen, dass die NS-Sicherheitsbehörde mit überzeugten Funktionären besetzt war, die den Terror auch vor Ort praktizierten – und dass viele von ihnen nach 1945 weiterhin in Polizeibehörden tätig blieben. Gewürdigt wurde Wildts Buch als »bahnbrechende[s] Werk« (Volker Ullrich, DIE ZEIT). Und Christoph Jahr schrieb in der NZZ: »Die Messlatte für jede weitere Studie liegt jetzt sehr hoch.«

Jens Kersten | Claudia Neu | Berthold Vogel: Politik des Zusammenhalts. Über Demokratie und Bürokratie

Wer Kritik an der Bürokratie übt, kann auf breite Zustimmung hoffen. Allerdings kann die Bürokratie, wenn sie auf rechtsstaatlicher Freiheit, sozialer Gleichheit und gesellschaftlicher Integration basiert, eine zentrale Bedeutung für eine lebendige Demokratie entfalten, so die Soziolog*innen Claudia Neu und Berthold Vogel und der Jurist Jens Kersten. »Mit Bezugnahme auf den Soziologen Niklas Luhmann präsentieren die Autoren ein charmantes Paradox: Die Bürokratie stört jeden. Und eben deshalb sei sie für den Zusammenhalt einer Gesellschaft vorzüglich« (Franziska Augstein, Süddeutsche Zeitung).

Zygmunt Bauman: Leben als Konsum

Zeitdiagnosen werden oft als bloße Momentaufnahmen abgetan – ein Vorurteil, das von »Leben als Konsum« eindrucksvoll widerlegt wird. Zygmunt Baumans Studie beschreibt eine Gesellschaft, die hemmungslos konsumiert, aber das Konsumierte immer weniger zu schätzen weiß, die ihre Individuen dazu zwingt, die eigenen Reize permanent anzupreisen, gleichzeitig ihre Benachteiligten unsichtbar werden lässt und in der die Konsument*innen selbst zur Ware werden. Das Buch des »Altmeister[s] soziologischer Zeitdiagnose« (Wolfgang Sofsky, DIE WELT) stieß in seinem Erscheinungsjahr 2009 auf eine breite und positive Würdigung – und liest sich am Ende eines Jahrzehnts, das im Zeichen sozialer Plattformen wie Amazon, Facebook und Instagram steht, geradezu prophetisch.

Hedwig Richter/Kerstin Wolff (Hg.): Frauenwahlrecht. Demokratisierung der Demokratie in Deutschland und Europa

Die Einführung des Frauenwahlrechts war nichts weniger als die Demokratisierung der Demokratie. Frauen wurden nun ohne Einschränkungen wie Bildungsstand oder Alter als Gleiche und politische Subjekte anerkannt. Die Beiträger*innen dieses Bandes beleuchten aus verschiedenen Perspektiven die spannende Geschichte des Frauenwahlrechts und zeigen, wie die unterschiedlichen Aktionen der Frauenbewegung nach und nach zu einem gesellschaftlichen Umdenken in Europa führten. »Faktenreich und wissenschaftlich zeigt das Buch auf, mit welchen Herausforderungen der lange Kampf der politischen Gleichheit von Frauen und Männern verbunden war – und weiterhin ist.« Shelly Kupferberg, Deutschlandfunk

Harriet Scharnberg: Die »Judenfrage« im Bild. Der Antisemitismus in nationalsozialistischen Fotoreportagen

In den »Studien zur Gewaltgeschichte des 20. Jahrhunderts« analysieren Wissenschaftler*innen unter verschiedenen Prämissen Dynamiken von Gewalt. In dieser Reihe beleuchtet Harriet Scharnberg die Darstellung jüdischen Lebens in nationalsozialistischen Fotoreportagen und zeigt, welche Visualisierungsstrategien die Nationalsozialisten verfolgten und wie sie ihre manipulative Bildpolitik umsetzten. Anhand zahlreicher Fotos und Zeitungsseiten wird nachvollziehbar, was zeitgenössische Leser*innen sahen und wie ihre Vorstellung von und ihre Haltung zu den Juden beeinflusst und gelenkt wurde. Eine Dimension antisemitischer Politik, die so noch nie untersucht wurde.

John Horne und Alan Kramer, Deutsche Kriegsgreuel 1914. Die umstrittene Wahrheit

Bis zum Erscheinen dieses Buches 2001 galten die deutschen Kriegsgreuel gegen unbewaffnete Zivilisten in Belgien und Nordfrankreich als eine Erfindung der alliierten Propaganda. Aufgrund ihrer intensiven und vergleichenden Analyse sowohl deutscher als auch internationaler Quellen kommen John Horne und Alan Kramer jedoch zu dem Schluss, dass die Deutschen tatsächlich massive Gewalt gegen Zivilisten ausübten, nicht aus »Lust« an der Brutalität, sondern weil sie annahmen, einem breiten und organisierten Widerstand gegenüber zu stehen. Die Historiker untersuchen sowohl den Mythos wie auch den Gegenmythos und ihre Thesen wurden nach Erscheinen des Buches heftig diskutiert. In einem neuen Vorwort  setzen sich die Autoren mit dieser Kritik auseinander, so dass der Band auch ein Stück Rezeptionsgeschichte vermittelt.

Heinz Bude, Thomas Medicus, Andreas Willisch (Hg.): ÜberLeben im Umbruch. Am Beispiel Wittenberge: Ansichten einer fragmentierten Gesellschaft

Als »natürliches Experiment« beschreibt Heinz Bude in der Einleitung von »ÜberLeben im Umbruch« das im Buch beschriebene Projekt. Vier Jahre lang begleiteten Geistes- und Sozialwissenschaftler*innen, Theaterschaffende und Künstler*innen die Bevölkerung von Wittenberge in Brandenburg durch ihren Alltag, interagierten mit ihnen und dokumentierten die Veränderungen, die die Wende brachte. Entstanden ist »ein großartiges Buch« (Detlef Baum, socialnet), das die Deutschlandradio-Rezensentin Liane von Billerbeck knapp als »Beeindruckend. Beunruhigend. Bewegend« zusammenfasste.

Ulrike Jureit: Das Ordnen von Räumen. Territorium und Lebensraum im 19. und 20. Jahrhundert

Welche Vorstellungswelten lagen kolonialistischen und nationalsozialistischen Fantasien vom »Lebensraum« zugrunde? Und wie wurde der »Raum« als Ordnungskategorie zwischen politischen und wissenschaftlichen Eliten ausgehandelt? Ulrike Jureit führt in ihrem Buch »Das Ordnen von Räumen« planerische, bürokratische und ideologische Perspektiven zusammen und analysiert diese auch anhand von kartografischen Quellen. Entstanden ist eine detailreiche Studie über »ein dunkles Kapitel deutscher Wissenschaftsgeschichte«, deren Akribie Herfried Münkler in der WELT als »bewunderungswürdig« beschrieb.

Christian Gerlach: Kalkulierte Morde. Die deutsche Wirtschafts- und Vernichtungspolitik in Weißrussland 1941 bis 1944

1944 waren fast alle Städte Weißrusslands vollkommen zerstört und das Land wirtschaftlich am Ende. Gleich nach der Eroberung 1941 hatten die Nationalsozialisten politische Gegner, psychisch Kranke, Juden, Sinti und Roma gnadenlos verfolgt; die  Kriegsgefangenen ließ man massenhaft verhungern.  Insgesamt waren 2,2 Millionen Zivilisten und Kriegsgefangene ermordet worden. Warum aber traf es ausgerechnet das kleine, unbedeutende Weißrussland vergleichsweise so stark? Welche Absichten verfolgten die Täter? In seiner detaillierten Untersuchung nimmt Christian Gerlach die Zusammenhänge zwischen der deutschen Wirtschafts- und der Vernichtungspolitik in den Blick und schließt erhebliche faktische Lücken in der Forschung.

Alison Des Forges: Kein Zeuge darf überleben. Der Genozid in Ruanda

»Die Sonne schien, und es stank nach Tod.« So beschrieb ein Überlebender den Genozid in Ruanda, denn in Kirchen, Häusern und Schulhöfen lagen unzählige Leichen. Innerhalb von 13 Wochen waren rund 1 Million Menschen vor den Augen der internationalen Gemeinschaft ermordet worden. Alison Des Forges schildert in ihrer Studie, wie eine kleine privilegierte Gruppe aus Angst vor Machtverlust einen Massenmord initiierte und erklärt, welche internationalen Maßnahmen dies hätten eindämmen, wenn nicht gar verhindern können. »Alison Des Forges Untersuchung gebührt ein Platz neben Raul Hilberg, in der Reihe der bedeutendsten historischen Lehrbücher über die Verbrechen des 20. Jahrhunderts.« Bartholomäus Grill, ZEIT Literatur

Heinz Bude: Gesellschaft der Angst

»In Begriffen der Angst fühlt sich die Gesellschaft selbst den Puls«, denn Ängste spiegeln das wider, was als wichtig empfunden wird, worauf Hoffnungen gesetzt werden, woran Menschen verzweifeln. Das können Abstiegsängste, Bindungsängste oder Terrorängste sein. Mit dem Verständnis der Soziologie als Erfahrungswissenschaft betrachtet Bude verschiedene Angsttypen in unterschiedlichen Bereichen der Gesellschaft. »Die exzellente Analyse bietet die Chance, sich über den aktuellen Zustand unserer Gesellschaft zu informieren und sich dabei über die eigene Verortung in ihr klar zu werden.« Aschot Mantscharjan, Das Parlament

Luc Boltanski und Laurent Thévenot: Über die Rechtfertigung. Eine Soziologie der kritischen Urteilskraft

Wem Unrecht widerfahren ist, glaubt sein Gegenüber von seinem Anspruch auf Genugtuung überzeugen zu müssen. Luc Boltanski und Laurent Thévenot untersuchen genau, wie dieser Mensch argumentiert und handelt, aber auch  wie sein Gegenüber das Vorgebrachte einordnet und was sein Urteil beeinflusst. Anhand verschiedener Versuchsanordnungen und Fragestellungen, ermitteln die Autoren sechs konstitutive Rechtfertigungsprinzipien und entwickeln eine hochinteressante »pragmatische Soziologie«, die menschliches Interagieren aus einer ganz neuen Perspektive betrachtet.

Aaron Sahr: Keystroke-Kapitalismus. Ungleichheit auf Knopfdruck

Geld vervielfältigt sich mit atemberaubender Geschwindigkeit: 1980 war nur ein Prozent der derzeitigen weltweiten Geldmenge im Umlauf; allein zwischen 2006 und 2019 hat sich diese (trotz Finanzkrise) verdoppelt. Ermöglicht wurde dies auch dadurch, dass Banken Geldbeträge per Knopfdruck schaffen können – Aaron Sahr erläutert und analysiert diesen Vorgang in seinem Buch »Keystroke-Kapitalismus«. Sahrs »lesenswertes, gerade auch für Ökonomen inspirierendes Buch« enthüllt einen »grundlegenden Systemfehler« (Bernhard Emunds, FAZ) im Maschinenraum des Kapitalismus, der auf Dauer zwangsläufig zu immer mehr Ungleichheit führt.

Jan Philipp Reemtsma: Vertrauen und Gewalt. Versuch über eine besondere Konstellation der Moderne

In »Vertrauen und Gewalt« geht Jan Philipp Reemtsma der Frage nach, warum es auch in den vermeintlich gewaltfernen Gesellschaften der Moderne zu Gewaltexzessen kam und kommt. Reemtsmas »Versuch über eine besondere Konstellation der Moderne« veranschaulicht und kontextualisiert sein Thema anhand von zahlreichen Beispielen aus Mythen, Belletristik und Geschichte – von Homer über Shakespeare bis Thomas Mann. Die von der ZEIT-Redaktion als eines der »besten Bücher« ihres Erscheinungsjahrs empfohlene Schrift ist dabei nicht nur ein »Lesevergnügen« (Konrad Lotter, Widerspruch), sondern liefert auch wertvolle Anregungen für die Gewaltforschung als Disziplin: »Wer in den kommenden Jahren vernünftig über Gewalt sprechen will, wird an diesem Buch nicht vorbeikommen« (Jens Bisky, Süddeutsche Zeitung).

Randall Collins: Dynamik der Gewalt. Eine mikrosoziologische Theorie

Zu den Übersetzungen, mit denen es der Hamburger Edition gelang, ein bisher unbeachtetes Werk im deutschsprachigen Diskurs zu verankern, gehört sicherlich das Buch »Dynamik der Gewalt« des amerikanischen Soziologen Randall Collins. Collins’ Mikrosoziologie analysiert Gewalt in all ihren Facetten und präsentiert »ein reiches Repertoire an Verstehens- und Deutungsweisen menschlichen Handelns« (Christian Gudehus, H-Soz-Kult). Entstanden ist »eine brillant geschriebene (und übersetzte), beispielsatte und provokante Studie […]. Sie gehört in die Grundausbildung von Politikern, Polizei- und Militärführern, Pädagogen« (Pieke Biermann, Dradio Kultur).

Robert Kindler: Stalins Nomaden. Herrschaft und Hunger in Kasachstan

In »Stalins Nomaden« widmet sich der Historiker Robert Kindler einem vergessenen Kapitel stalinistischer Herrschaft, nämlich der Hungersnot im Kasachstan der 1930er Jahre. Die von der Sowjetführung ausgelöste Krise, die, anders als der Holodomor in der Ukraine, bis zur Veröffentlichung des Buches so gut wie keine Beachtung gefunden hat, wird von Kindler als »Sowjetisierung durch Hunger« gedeutet. Als positiv wahrgenommen wurde auch Kindlers intensive Quellenarbeit in russischen und kasachischen Archiven: »Innovativer kann Geschichtswissenschaft nicht sein« (Sven Felix Kellerhoff, Die Welt).

Wolfgang Kraushaar/Jan Philipp Reemtsma/Karin Wieland: Rudi Dutschke Andreas Baader und die RAF

Obwohl sich Rudi Dutschke und Andreas Baader in ein- und derselben historischen Strömung bewegten, erscheinen sie als Persönlichkeiten in Auftreten und Motiven diametral entgegengesetzt. Wie das Buch »Rudi Dutschke Andreas Baader und die RAF« herausstellt, verband beide jedoch eine obsessive Affinität zur Gewalt und der Glaube an die Strategie der Eskalation. Die drei Einzelaufsätze von Wolfgang Kraushaar, Jan Philipp Reemtsma und Karin Wieland arbeiten die oft übersehenen Kontinuitäten zwischen Studentenbewegung und RAF hervor und stellen eine »blitzende Polemik über den Mythos der RAF« (Gerd Koenen, Die Zeit) dar, deren »Lesenswürdigkeit gar nicht heftig genug empfohlen werden kann« (Christoph Hein, Süddeutsche Zeitung).

Jacqueline Bhabha: Migration als Krise? Wie ein Umdenken möglich ist

Die Bücher der »kleinen reihe« skizzieren politische Debatten und greifen bedeutende Fragen auf, wie zum Beispiel nach dem richtigen Umgang mit Migration. Das Ausmaß, das Migration in den letzten Jahren angenommen hat, löst häufig Panik und dramatische Reaktionen aus. Die Probleme scheinen schier unüberwindlich. Aber ist dem wirklich so? Jacqueline Bhabha, Professorin für Gesundheit und Menschenrechte an der Harvard University zeigt, was getan werden muss, um nachhaltige und gerechte Lösungen zu finden.
»Ein gediegenes Büchlein gegen das Stammtischgerede.« meint Rudolf Walther, taz.

Ann Pettifor: Die Produktion des Geldes. Ein Plädoyer wider die Macht der Banken

Zu den wenigen Stimmen, die vor 2007 auf die Möglichkeit einer globalen Wirtschaftskrise hinwiesen, zählte auch Ann Pettifor. Seither gehört die südafrikanische Ökonomin zu den profiliertesten Kritiker*innen eines unkontrollierten Finanzsektors. Für ihr Buch »Die Produktion des Geldes« wurde Pettifor 2018 mit dem Hannah-Arendt-Preis für politisches Denken ausgezeichnet; laut Jury stellt das von Pettifor formulierte Plädoyer wider die Macht der Banken »ein politisches Manifest gegen die scheinbar unangreifbare Macht des Finanzkapitals [dar], das darauf abzielt, den Bürgerinnen und Bürgern das Vertrauen in ihre politische Handlungsfähigkeit zurückzugeben.«

Bernd Greiner: Krieg ohne Fronten. Die USA in Vietnam

Nach wie vor ist »Krieg ohne Fronten« das Standardwerk über den Vietnamkrieg. Bernd Greiner erzählt die Geschichten hinter den verstörenden Bildern von erschossenen Zivilisten, verbrannten Kindern und zerstörten Dörfern. Er analysiert sehr präzise die Ursachen und Voraussetzungen der amerikanischen Kriegsverbrechen und erklärt, warum reguläre Verbände zu marodierenden Haufen wurden, Routineeinsätze in Massakern endeten. »Noch nie zuvor ist so eindringlich und materialreich geschildert worden, wie ein militärischer Konflikt […] zu einem Gewaltexzess eskalierte, der alle westlichen Werte und Errungenschaften infrage stellte.« Volker Ullrich, Die Zeit

Carola Dietze, Die Erfindung des Terrorismus in Europa, Russland und den USA 1858–1866

Wer waren die Erfinder des Terrorismus? Wer kam als erster auf die Idee, die Massenmedien und Errungenschaften aus der Transport- und Kommunikationsrevolution zur Durchsetzung seiner Ziele zu nutzen? Carola Dietze beschreibt packend und luzide, welche Voraussetzungen nötig waren, um den Terrorismus zu erfinden, und welche Transfer- und Rezeptionsprozesse zwischen Europa, den USA und Russland schlussendlich zur Entwicklung einer Taktik führten, die seit 1866 nur noch technisch abgewandelt wurde.
»Carola Dietze gelingt es in ihrem Werk, sozialwissenschaftliche Theorien für die historische Forschung fruchtbar zu machen und zugleich zu zeigen, wie die historische Empirie zu neuen Einsichten führen kann.« Dieter Langewiesche, Historische Zeitschrift 2/2017

Matthias Fink: Srebrenica. Chronologie eines Völkermords oder Was geschah mit Mirnes Osmanović

Der Völkermord von Srebrenica gilt als das schwerste Kriegsverbrechen in Europa seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Mehr als 8.000 Bosniaken wurden im Zuge der Auseinandersetzungen umgebracht. Der vierzehnjährige Mirnes Osmanović war einer von ihnen. Er verwand, wie so viele andere, vor den Augen der UN-Blauhelmsoldaten, die um Srebrenica eine UN-Schutzzone eingerichtet hatten. Matthias Fink, Journalist und Prozessbeobachter am ICTY, zeichnet anhand von Beweisdokumenten und Zeugenaussagen die Ereignisse um den 11. Juli 1995 und das Schicksal der Familie Osmanović nach. Er erzählt »präzise, fesselnd und erkenntnisfördernd, wie die Belagerung von Srebrenica in einen Völkermord eskalierte«, Tobias Bütow, Politologe und Zeithistoriker am Centre international de formation européenne

Taner Akçam: Armenien und der Völkermord. Die Istanbuler Prozesse und die türkische Nationalbewegung

Am 2. Juni 2016 erklärte der Bundestag die Verbrechen an den Armeniern zum Völkermord – sehr zum Missfallen der türkischen Regierung. Waren bis dato um den Jahrestag herum lediglich wenige Artikel in den Medien erschienen, rückte der armenische Genozid nun aufgrund der breiten Berichterstattung in das Bewusstsein der Deutschen. Der türkische Soziologe und Historiker Taner Akçam hingegen hatte diesen Genozid schon 1996 öffentlich thematisiert und die handlungsentscheidenden Beweggründe der Täter, ihre Ziele und die historischen Voraussetzungen analysiert. In seiner Studie zu den Istanbuler Prozessen beleuchtet er auch die Rolle der alliierten Mächte und die Probleme internationaler Rechtsprechung. »Taner Akçams glänzend recherchiertes und gut geschriebenes Buch versteht sich als Diskussionsangebot an beide Seiten.« Jürgen Gottschlich, die tageszeitung

Hamburger Institut für Sozialforschung (Hg.): Verbrechen der Wehrmacht. Dimensionen des Vernichtungskrieges 1941 – 1944

Nach dem Krieg verbreitete sich das Bild vom aufrechten und tragischen Wehrmachtssoldaten. Trotz der Gräueltaten des Dritten Reiches war die Wehrmacht »sauber« geblieben, so die Legende, die gezielt lanciert und lange Zeit gerne geglaubt wurde. Dass Teile der Wehrmacht jedoch ebenfalls an der Vernichtung der Juden, dem Massenmord an Kriegsgefangenen und dem Terror gegen die Zivilbevölkerung beteiligt waren und somit gegen geltendes Kriegs- und Völkerrecht verstießen, dokumentiert dieser Band zu der gleichnamigen Ausstellung in Wort und Bild. Ebenfalls enthalten ist ein Rückblick auf die zwischen 1995 und 1999 heftig und kontrovers geführte Debatte, die die erste Ausstellung über die Verbrechen der Wehrmacht ausgelöst hatte. Sie wurde 1995/1996 an 34 Orten gezeigt, während die zweite, auf die sich dieser Katalog bezieht, von 2001 bis 2004 zu sehen war.

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