Nick Srnicek

Plattform-Kapitalismus

Aus dem Englischen von Ursel Schäfer
144 Seiten
ISBN 978-3-86854-321-6
Erscheint März 2018

Zum Buch

Was vereint Google, Facebook, Apple, Microsoft, Monsanto, Uber und Airbnb? Sie alle sind Unternehmen, die Hardware und Software für andere bereitstellen, mit dem Ziel, möglichst geschlossene sozio-ökonomische Tech-Systeme zu schaffen. Google kontrolliert die Recherche, Facebook regiert Social Media und Amazon ist führend beim E-Commerce. Doch nicht nur Technologie-Unternehmen bauen Plattformen auf, auch Traditionsfirmen wie Siemens entwickeln ein cloudbasiertes Produktionssystem.

Plattformen sind in der Lage, immense Daten zu gewinnen, zu nutzen und zu verkaufen – Monopolisierungstendenzen sind die »natürliche« Folge. Sind wir auf dem Weg in einen digitalen Monopolkapitalismus? Diese Streitschrift ist unerlässlich für alle, die verstehen wollen, wie die mächtigsten technologischen Unternehmen unserer Zeit die globale Ökonomie verändern.

AutorIn/Hg.

Nick Srnicek

ist Dozent für Internationale Politische Ökonomie im Fachbereich Digitale Geisteswissenschaften an der University of London. Er studierte Psychologie und Philosophie an der University of Western Ontario und promovierte 2013 an der London School of Economics, London.

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Inhalt

Einführung    7

I Der lange Niedergang    14
Das Ende der Nachkriegsausnahme    17
Die Dotcom-Blase wächst und platzt    23
Die Krise des Jahres 2008    28
Schlussfolgerung    37

II Plattform-Kapitalismus    39
Werbeplattformen    53
Cloud-Plattformen    62
Industrieplattformen    66
Produktplattformen    72
Schlanke Plattformen    76
Schlussfolgerung    90

III Große Plattform-Kriege    94
Tendenzen    98
Herausforderungen    113
Zukunftsperspektiven    125

Dank    128
Literaturverzeichnis    129
Zum Autor    144

Leseprobe

Wir hören heute immer wieder, dass wir in einer Zeit des tiefgreifenden Wandels leben. Begriffe wie Sharing Economy, Gig-Ökonomie und Vierte industrielle Revolution schwirren herum, zusammen mit verführerischen Bildern von Unternehmer_innengeist und viel beschworener Flexibilität. Als Arbeitnehmer_innen sollen wir von den Zwängen des stetigen Aufstiegs befreit werden und die Chance bekommen, unseren eigenen Weg zu gehen, Waren und Dienstleistungen zu verkaufen, die wir gerne anbieten möchten. Als Konsument_innen stehen wir vor einem Füllhorn von On-Demand-Dienstleistungen und dem Versprechen, dass miteinander vernetzte Geräte sich um all unsere Wünsche kümmern werden. Das Buch »Plattform-Kapitalismus« handelt von diesem aktuellen Augenblick in unserer Geschichte und seinen Avataren bei den neuen Technologien: Plattformen, Big Data, additive Fertigung, fortgeschrittene Robotertechnik, Maschinenlernen und das Internet der Dinge.
Es ist nicht das erste Buch über diese Themen, aber es nimmt einen anderen Blickwinkel ein als bislang üblich. Bisher konzentriert sich ein Teil der Literatur auf die politische Seite der neuen Technologien, legt einen Schwerpunkt auf Datenschutz und staatliche Überwachung, aber lässt die wirtschaftlichen Fragen rund um Besitz und Profitabilität außer Acht. Ein anderer Teil untersucht Konzerne als Verkörperungen bestimmter Ideen und Werte und kritisiert sie, weil sie nicht human handeln – aber der ökonomische Kontext und die Zwänge des kapitalistischen Systems kommen darin zu 8 kurz.1 Wieder andere Wissenschaftler_innen untersuchen die neuen ökonomischen Trends, aber beschreiben sie losgelöst von ihrer Geschichte als Phänomene sui generis. Sie fragen nicht, warum wir heute diese Form von Wirtschaft haben, und sie erkennen nicht, inwiefern die Wirtschaft von heute eine Antwort auf die Probleme von gestern darstellt. Schließlich handeln zahlreiche Analysen davon, wie schlecht die Smart Economy für Arbeitnehmer_ innen ist und welchen Wandel die digitale Arbeit für die Beziehung zwischen Arbeitnehmer_innen und Kapital bedeutet. Aber sie befassen sich nicht mit breiteren ökonomischen Trends und dem Wettbewerb innerhalb des Kapitalismus.
Das vorliegende Buch möchte diese Perspektiven um eine Wirtschaftsgeschichte des Kapitalismus und der digitalen Technologie ergänzen.

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